Helene-Nathan-Bibliothek

Karl-Marx-Straße 66, 12043 Berlin
U & S-Bahn: Rathaus Neukölln (U 7)
Tel. 030 / 90239-4342
Öffnungszeiten: Mo–Fr 12–20 Uhr, Sa 10–13 Uhr

Die Hauptbibliothek Neuköllns befindet sich über den Dächern Neuköllns im 6. und 7. Stockwerk des Einkaufzentrums „Neukölln Arcaden“. weiter »

Neukölln Arcaden

< Zurück

Lesereihe

Lesereihe in der Helene-Nathan-Bibliothek

Die Gedanken sind frei!? "Verbotene" Bücher - Zensur damals und heute....
Der Schauspieler Gerald Koenig hat im reichen Fundus an Texten aus Vergangenheit und Gegenwart gewühlt. Entsprechende Zeugnisse aus dem In- und Ausland stellt er in unserer Lesereihe zum Herbst vor.
Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 30.09.2010, 18.30 Uhr

Johann Wolfgang von Goethe: "Faust", T.1
Drama, zensiert seit Erscheinen 1808

Elf Mal wurde Goethes "Faust" neu bearbeitet - nach 21 Jahren, 1829, wurde er erstmalig aufgeführt! Die Fassungen von Klingemann und Tieck, den bekanntesten Neubearbeitungen, kamen damals in Braunschweig, Dresden, Leipzig auf die Bühne, jedoch immer wieder verändert je nach politischer bzw. religiöser Umgebung und Macht - auch im Ausland wie Österreich und Russland. Vor dem Hintergrund Goethes als Minister in Sachsen-Weimar und als solcher ebenfalls für Fragen der Zensur dort tätig, nimmt sich die Dauerveränderung seiner eigenen Werke wie ein schlechter Scherz aus.
Johann Wolfgang von Goethe: 1749 - 1832


Tsering Woeser: "Ihr habt die Gewehre, ich einen Stift: eine Chronologie der Ereignisse 2008 in Tibet"
Erstveröffentlichung als Blog-Text

Als am 10. März 2008 in Lhasa Unruhen ausbrechen, beginnt die tibetische Schriftstellerin Tsering Woeser - zunächst als Blog - die täglichen Proteste, ihre Ausdehnung über ganz Tibet und die Reaktionen der chinesischen Sicherheitskräfte zu dokumentieren.
Zu einer Zeit, als ausländische Beobachter des Landes verwiesen werden und China nur die eigene Propaganda über die Zustände in Tibet an die Öffentlilchkeit lässt, wird Woesers Blog für ihre Landsleute in Tibet, China und im Exil zu einer unabhängigen Nachrichtenquelle.

Tsering Woeser, eine der bekanntesten tibetischen Schriftstellerinnen, wurde 1966 in Lhasa geboren. Im Anschluss an ihr Studium der chinesischen Literatur hat sie als Reporterin in Tibet gearbeitet, bis sie 2003 aus politischen Gründen nach Peking ziehen musste.
Ihre Internet-Blogs wurden mehrfach gehackt, ihre Bücher verboten, sie selbst wiederholt unter Hausarrest gestellt.

Der Eintritt ist frei.


Donnerstag, 28.10.2010, 18.30 Uhr

Klaus Mann: "Mephisto"
Roman 1936, verboten in der BRD bis 1981

Der Roman entstand 1936 im Exil. Erzählt wird die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen im Hamburger Künstlertheater (1926 - 1936), der Zeit, in der er es zum gefeierten Star des sogenannten Neuen Reiches gebracht hatte.
Entgegen den Beteuerungen des Autors wird "Mephisto" von Anfang an als Schlüsselroman vom Publikum empfunden, das in dem opportunistischen Karrieristen Höfgen die Person Gustaf Gründgens portraitiert sah.
Nach dem Tode Gründgens klagte dessen Adoptivsohn Peter Gorski erfolgreich gegen die Publikation in der Bundesrepublik Deutschland und die Veröffentlichung des Romans "Mephisto" durch die Nymphenburger Verlagshandlung bis zum Bundesverfassungsgerichtsurteil im Jahr 1971.
1981 wurde der Roman trotz des bestehenden Urteils in der Bundesrepublik im Rowohlt Verlag veröffentlicht. Vorher konnte man ihn jedoch aus der DDR beziehen, wo er bereits 1956 im Aufbau Verlag veröffentlicht worden war.

Klaus Mann wurde 1906 als zweites Kind in die Familie Thomas und Katia Mann geboren. Seit seiner Emigration 1933 kämpfte er mit literarischen Mitteln gegen die Nationalsozialisten. 1943 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an und verstarb 1949 in Cannes.


Irmtraud Morgner: "Rumba auf einen Herbst"
Roman 1965/66, verboten in der DDR

"Rumba auf einen Herbst" ist ein Berlin-Roman, der zur Zeit der Kuba-Krise 1962 spielt. Architektur, Geräusche, Gerüche und Milieu der Stadt sind eingefangen. Menschen leben ihren Rhythmus bis etwas Unvorhergesehenes diese Ordnung stört und nicht nur Gedanken angeschoben werden....
1963-1965 geschrieben, 1966 beim Aufbau Verlag angekündigt, im gleichen Jahr verboten, 1992 nach dem Tode der Schriftstellerin erschienen - das sind die Eckdaten zur Entstehungsgeschichte. Das Manuskript wurde einbehalten, Irmtraud Morgner blieb nichts als eine passagenweise unleserliche Durchschrift. Bruchstücke hiervon arbeitete sie allerdings in andere Texte ein, die so schon das Licht der Öffentlichkeit erblickten, bevor dann 1992 das lückenlos zusammengesetzte Original endlich veröffentlicht werden konnte - posthum.

Irmtraud Morgner wurde 1933 in Chemnitz geboren, studierte Germanistik und Literaturwissenschaft in Leipzig und arbeitete zeitweise in der Redaktion der Zeitschrift "Neue deutsche Literatur". Sie war Vorstandsmitglied des Schriftstellerverbandes der DDR und bekam zahlreiche Auszeichnungen in den 70er und 80er Jahren. Seit 1958 lebte sie als freie Schriftstellerin in Berlin, wo sie 1990 verstarb.

Der Eintritt ist frei.


Donnerstag, 25.11.2010, 18.30 Uhr

Unstatthafte Lektüren "Der verbotene Eros".
Ein Lesebuch, hrsg. 2000

Sucht man im Internet unter den Begriffen Eros, Erotik bekommt man eine in die Millionen gehende Trefferzahl. M. C. Graeff hat bekannte wie unbekannte Texte der erotischen Literatur gefunden und ihrem Schicksal der Indizierung und Zensur nachgespürt: von Boccaccio bis Ludwig Thoma, von Marquis d´Argens bis Frank Wedekind.
Horaz: "Censuram expellas, tamen usque recurret" - Wirf die Zensur zur Tür hinaus, durchs Fenster kommt sie wieder herein.


Donnerstag, 16.12.2010, 18.30 Uhr

Taslima Nasreen: "Scham. Lajja"
zunächst als Novelle 1993 in Bangladesch erschienen, verboten

In "Lajja" schildert Taslima Nasreen das Schicksal der Familie Datta an 13 Tagen im Dezember 1992. Der Anlass: Im benachbarten Indien wurde die Babri-Moschee von fanatischen Hindus angezündet. Nun fürchten Hindus auch in Bangladesch die Rache der Moslems, denn seit 1988 der Islam zur Staatsreligion wurde, fühlen sie sich zunehmend als bedrohte Minderheit.
Die Nachricht vom Brand der Moschee am Morgen des 7.Dezember 1992 mit allen Folgen bringt die Autorin dazu, diese Geschichte aufzuschreiben. Innerhalb von fünf Monaten im Jahr 1993 wird die 70seitige Novelle 60 000 mal verkauft. Dann kam das staatliche Verbot(¸Störung der öffentlichen Ordnung´) und im September die Todesdrohung für Taslima Nasrin. Das Buch, zum Roman von 300 S. gestreckt, erschien in Deutschland 1995.

Taslima Nasrin, geb. 1962 in Maimansingh, ist eine Ärztin und Schriftstellerin aus Bangladesh. Durch die Fatwa gezwungen, muss sie immer wieder Zuflucht in anderen Ländern suchen. Sie gilt als höchst umstrittene Autorin, deren künstlerische Fähigkeiten stark bezweifelt werden, unterstellt wird ihr auch, zum Mittel des Märtyrertums zu greifen, um auf sich aufmerksam zu machen.


Heinrich Heine: "Almansor"
Drama, 1823 erschienen, 1933 Bücherverbrennung

"Almansor:
Wir hörten daß der furchtbare Ximenes,
Inmitten auf dem Markte, zu Granada -
Mir starrt die Zung im Munde - den Koran
In eines Scheiterhaufens Flamme warf!
Hassan:
Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher
Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen."

Dieses Zitat Heinrich Heines (1797 - 1856) aus seinem Toleranzstück "Almansor" erwähnt eine Verbrennung des Korans während der Eroberung des spanischen Granada, 1500, durch christliche Ritter. Heines Zitat wird prophetisch für die Bücherverbrennung im Mai und Juni 1933 im nationalsozialistischen Deutschland.

Der Eintritt ist frei.

Ort: Helene-Nathan-Bibliothek
        in den Neukölln Arcaden, Karl-Marx-Str. 66, 12043 Berlin
        Eingang Post: Karl-Marx-Str., Fahrstuhl bis Parkdeck 4

www.stadtbibliothek-neukoelln.de/helene

 

Cover: Faust

 

Cover: Ihr habt die Gewehre, ich einen Stift

 

Cover: Mephisto

 

Cover: Rumba auf einen Herbst