Kultur vor Ort
Informationen zu Veranstaltungen erhalten Sie im Kulturamt:
Kulturamt Neukölln
Karl-Marx-Straße 141 · 12043 Berlin
Tel. 030 / 90239-2431 · Fax 030 / 90239-4090
Ausstellungen, Veranstaltungen und Projekte des Kulturamtes oder Kunstaktionen, die durch das Kulturamt gefördert werden, finden nicht nur in unseren Kultureinrichtungen statt, sondern auch an anderen Orten im Neuköllner Stadtraum. Wir nennen dies „Kultur vor Ort“.
Kulturarbeit findet da statt, wo sie Raum findet – und in Neukölln gibt es den reichlich.
á Hiroshima
Heimathafen Neukölln, Studio
16. September 2010, 20 Uhr
Ensemble KU-Hiroshima aus Japan
Gedenkkonzert anlässlich des 65. Jahres des Atombombenabwurfs auf Hiroshima
KU ist einer der Zen-Gedanken aus Hannya-Shinkyo und bedeutet alles Geschehen auf der Welt und gleichzeitig das Nichts. Es ist uns nicht möglich zu sehen, aber alles existiert.
Von diesem Motto ausgehend, will KU mit zeitgenössischen Komponisten zusammenarbeiten und ihre Werke uraufführen.
Das Trio bat 4 Komponisten unterschiedlichster Herkunft (japanisch, rumänisch, deutsch) unter dem Motto “Hiroshima” neue Komposition zu schreiben.
Violine: Sayaka Yonekawa, A/E-Gitarre: Gaku Yamada, Klavier: Noritaka Ito
Programm
Mayako Kubo - neues Stück für Violine,Klavier und Gitarre
Helmut Zapf - neues Stück für Violine,Klavier und Gitarre
Gabriel Irany - neues Stück für Violine,Klavier und Gitarre
Daisuke Terauchi - Neues Stück für Violine, Klavier und Gitarre
Mayako Kubo - BACH Variationen II für Tonband und improvisation
Eintritt 10 € / ermäßigt: 7 €
Ort: Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141.
Zum Programm
"BLICKE AUF HIROSHIMA" von Gabriel Iranyi
Besteht aus einem Zyklus aus vier Sätzen, die ohne Unterbrechungen gespielt werden. Jeder Satz konzentriert sich auf einen eigenen, differenzierten Ausdruck.
Der IV. Satz, Adagio, setzt langsame, statische Akkordschichten gegen bewegte Strukturen. Diese Gegensätze lösen sich zum Schluss auf: hier erklingt ein ruhiger Schluss-Satz, "wie ein Gebet". Ein Vierklang wird durch 1/4-Ton Bewegungen immer dünner und tendiert zu einem gemeinsamen ruhigen Zentrum, einen d, das danach allmählich verschwindet: Gefühle und Erinnerungen lösen sich auf.
„WOHIN?“ von Mayako Kubo
Es ist fast unmöglich nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima eine Musik zu schreiben. Vielleicht fühlt sich ein Japaner, der im Ausland lebt, dazu verpflichtet. Denn man denkt, kann es Zukunft nach Hiroshima geben? Meine Fragen: Wie?, Warum?, Wohin? über Atombomben sind endlos.
Bevor meine Fragen beantwortet worden sind, könnte es passieren, dass wir nicht mehr am Leben sind.
Wassermühle und das Mädchen. Sie sind verführerisch. Man möchte sie haben. Hat der Junge nach dem Warum gefragt? Unser Leben läuft wie eine Wassermühle; rastloses Streben. Wohin führt es?
THREE SISTERS von Daisuke Terauchi
In der Komposition „Drei Schwestern“, wurde Musik von E.A. Ysaye, M. Giuliani und F. Chopin adaptiert. Sie beinhaltet keinen einzigen eigenen Ton vom Komponisten. Die Idee kam von einem DJ. Er verwendet die Schallplatten, mischt sie und daraus ergibt sich neue Musik.
Dieses Durcheinader in der Musik zu transformieren und ein interessantes Werk daraus zu komponieren, ist mein Ziel. Die „Drei Schwestern“ sind drei Instrumente. Sie kämpfen, sie töten sich gegenseitig. Während der Musik wechselt der Stärkste.
HO-OU von Helmut Zapf
Ich habe die Töne HSC (H Es C) die in dem deutschen Wort Hiroshima enthalten sind, als Haupttöne benutzt und den Ton A aus dem Wort noch dazu gefügt. Mit diesen vier Tönen habe ich eine Skala entwickelt die dem ganzen Stück als musikalisches Material dient.
Es entsteht ein zarter Klang aus kleiner Terz und kleinen Sekunde (H C ES) und dazu der spannungsvolle Tritonus mit dem Ton A.
Der japanische Vogel Ho-ou entspricht dem griechischen Vogel Phönix, einem Wesen was im Feuer verbrennt und zu neuem Leben erwächst. Diese Metapher über das Vergehen und Entstehen habe ich in dem Stück ausdrücken wollen: Trauer und Leid verwandeln sich zu Hoffnung, Freude, Leichtigkeit, Tanz, zu neuem Leben.
Die Musiker
Takanori Ito – Klavier
Ito kam nach Berlin als Stipendiat des Internationalen Kulturfonds. Diplom an der Musikhochschule Hanns Eisler. Erster Preisträger des 18. Internationalen Wettbewerbs „Cittá di Valentino“. Ito hat in Deutschland, Holland, Österreich, Slowenien, Italien und Korea zahlreiche Konzerte gegeben. Kammermusik mit dem Saito-Kinen-Orchester, Hong-Kong-Sinfonietta. CD: Beethoven Sinfonie Nr. 7 in Klavier–Fassung. Er unterrichtet an der Fukuzama-Heisei-Universität und der Elisabeth-Musikhochschule in Hiroshima.
Sayaka Yonekawa – Violine
Nach dem Abschluss des Violinstudiums an der Tokyo-Art-Universität kam Yonekawa nach Berlin. Sie gewann den Haydn-Preis des Resonale- Kammermusikwettbewerbs 2008 und den zweiten Preis des Ibolyka-Gyarfas Violinwettbewerbs. Sie war Praktikantin am Brandenburgischen Orchester in Frankfurt an der Oder. Sie ist Solo-Geigerin (II Violine) im Osaka Symphonie Orchester.
Gaku Yamada – Gitarre
Yamada studierte an der Elisabeth Musikhochschule in Hiroshima und Hanns Eisler-Musikhochschule in Berlin. Er ist der erste Preisträger des 41. Japan-classical-Guitar-Wettbewerbs, der erste Preisträger des Gitarrenwettbewerbs Gargnano (Italien), und der dritte Preisträger des internationalen Gitarrenwettbewerbs in Berlin. Er führt zusammen mit der Komponistin Mayako Kubo Performances auf.
Neben der Lehrtätigkeit an der Fukuyama-Heisei-Universität gibt Yamada zahlreiche Konzerte.
Die Komponisten
Gabriel Iranyi wurde im rumänischen Klausenburg (Siebenbürgen) geboren. Er studierte Komposition an der „George Dima Musikakademie“ der Klausenburger Universität bei Prof. Sigismund Todutza. Seit 1988 lebt Iranyi als freischaffender Komponist in Berlin. 2000 promoviert er im Fach Musikwissenschaften. Seine Werke wurden von renommierten Orchestern und Interpreten aufgeführt, so wie Nouvelle Orchestre Philharmonique de Radio-France, Staatsorchester Frankfurt, Jerusalem Symphony Orchestra, ars-nova-ensemble Berlin. www.gabrieliranyi.de
Mayako Kubo ist eine Komponistin japanischer Herkunft. Sie kam 1972 nach Wien, um Komposition, Musikgeschichte und Philosophie zu studieren. Ab 1980 setzte sie ihre Kompositionsstudien bei Helmut Lachenmann fort. 1985 lässt sich Kubo in Berlin nieder. Zur Hauptkompositionen zählen drei Opern: Rashomon, OSAN, Der Spinnfaden. Kubo weiß mit großer Sicherheit einen Bogen zu spannen zwischen zwei Hauptquellen ihres Ausgangsmaterials: der japanischen Literatur und der europäischen Musiktradition. 2008 gründet sie das „Young Asian Chamber Orchestra Berlin“ und ist die künstlerische Leiterin des Orchesters. www. mayakokubo.de
Daisuke Terauchi, Komponist und Improvisator, studierte bei Koji Tomotani, Jo Kondo und Wim Hendrix. 2004- 2007 Aufenthalt in Amsterdam. Seine Tätigkeit beschränkt sich nicht aufs Komponieren, sondern auch auf Improvisation, Performance und Jugendprogramme.
Er arbeitet interdisziplinär: aus Volksmusik,Tanz, Lyrik, Kaligraphie und Film bezieht er seinen Arbeitsstoff. Seine “Selbst-Umblätter-Maschine” ist im Nationalen Museum in Holland ausgestellt. Zahlreiche CDs und Notenblätter hat er herausgegeben.
Terauchi lehrt Hiroshima Universität und Hiroshima-Bunkagakuen Universität.
www.dterauchi.com
Helmut Zapf wurde in Rauschengesees (Thüringen) geboren.
1974-79 Studium der Kirchenmusik in Eisenach und Halle, während dieser Zeit besuchte er regelmäßig den Ferienkurs für Neue Musik in Gera bei Paul-H. Dittrich. Von 1979 – 82 arbeitete er als Kantor und Organist in Eisenberg. 1982 wurde er Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR in Berlin bei Prof. Georg Katzer und studierte dort, mit Unterbrechung durch die Zeit der Waffenverweigerung als Bausoldat, bis 1986. Seither arbeitet er als freiberuflicher Komponist und lebt in Panketal bei Berlin.
1992 Gründung der Zepernicker RANDSPIELE www.helmutzapf.com
