Stolpersteine – Gedenken in Neukölln
Stolpersteine sind Erinnerungssteine für die ehemaligen jüdischen Nachbarn, aber auch für die Akteure des politischen Widerstands, für Homosexuelle, Roma und Sinti, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer. Die in den Bürgersteig eingelassenen Pflastersteine mit Messingtafeln sind 10 Quadratzentimeter groß. Ihre knappen Inschriften setzen sich aus Namen, Geburtsjahr, Deportationsdatum und dem Hinweis auf Todesort und Todesdatum des Opfers zusammen. Und sie beginnen mit den Worten: HIER WOHNTE.
Die genial einfache und doch so wirkungsvolle Idee an der letzten Wohnadresse der Verfolgten ein Denkzeichen zu setzen, treibt den Köln/Berliner Bildhauer Gunter Demnig seit 1992 um. Allein für und in Berlin hat Demnig seit 1996 über 2600 Stolpersteine hergestellt und verlegt (Stand: Februar 2010). Die meisten davon gibt es im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Deutschlandweit sind bisher über 22.000 Stolpersteine verlegt worden (Stand: Januar 2010). Außerdem gibt es Stolpersteine in Belgien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Tschechien, Ukraine und Ungarn.
Das Kulturamt Neukölln unterstützt und koordiniert das Engagement der Neuköllner Bürgerinnen und Bürger. Und beantwortet die Anfragen, die von den Nachfahren ehemaliger Neuköllner Bürger gestellt werden. Es steht im Kontakt zur Zentralen Koordinierungsstelle für ganz Berlin, die in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Aufnahme fand. (Tel: 030-263989014.)
Die Stolpersteine sind ein politisches Kunstprojekt, das durch Bürgerbeteiligung weiter lebt. Erinnern gehört auch in den Alltag, in den ganz alltäglichen Stadtraum, abseits der großen Mahnmale.
Einen Stolperstein kann jeder einzelne Bürger stiften, aber auch z.B. Hausgemeinschaften oder andere Initiativen. Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines kosten 120 Euro.
Listen der Stolpersteine Neuköllns
Nächste Stolpersteinverlegung
Am 8. Oktober 2011, verlegt der Künstler Gunter Deming fünf neue Stolpersteine in Neukölln
Putzpaten willkommen!
Wir freuen uns, dass es engagierte Bürgerinnen und Bürger gibt, die Stolpersteine in ihrer Umgebung putzen. Denn nach einigen Jahren setzen die Messingplatten Patina an und verlieren ihren Glanz..
Hinweise zur Stolpersteinpflege übernehmen wir sehr gern von der Hamburger Stolpersteininitiative.
Die Betriebsgruppe Verdi des Bezirksamtes Neukölln triftt sich am 13.4. 2011 um 17:45 Uhr zum Putzen der Stolpersteine in der Karl-Marx-Straße 76 und 93.
Stolpersteingedenken am 11. Dezember 2010
Einladung zum aktiven Gedenken
Am Samstag, den 11. Dezember 2010, laden wir zu einer Begehung der 15 Verlegstellen entlang der Karl-Marx-Straße und anschließender Gedenkstunde im Rathaus ein.
11 Uhr, Rathaus Neukölln, Karl-Marx-Straße 83, Rundgang
12 Uhr, Rathaus Neukölln, Köln-Zimmer, Gedenkveranstaltung
Zum Abschluss des Jubiläumsjahres 2010: 650-Jahre Rixdorf/Neukölln möchten wir an diejenigen Neuköllnerinnen und Neuköllner erinnern, die durch die Verfolgungs– und Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten aus dem Leben gerissen wurden und in unserem kollektiven Bewusstsein eine schmerzende Leere hinterließen. Ihre Namen sind nicht vergessen. Aber welche gewaltsam beendeten Lebensentwürfe stehen hinter diesen Namen?
Durch weitere Recherchen möchten wir ergänzend zu den kargen Archivdaten vergessene Biografien wieder herstellen. Erst durch die Sichtbarmachung von hundertfach gelebtem Leben in Neukölln ist der kulturelle Verlust unseres Gemeinwesens durch den Holocaust vorstellbarer.
Die jüngste Verlegung von Stolpersteinen fand am 27.Oktober 2010 an 15 Verlegestellen (39 Steine) in der Karl-Marx-Straße statt.
Mit großer Unterstützung der [Aktion! Karl-Marx-Straße] wurden diese Stolpersteine für jüdische Bewohner verlegt, die einst in Häusern dieser Hauptmagistrale Neuköllns wohnten. 3 Steine wurden durch eine Privatspende ermöglicht. 4 weitere Steine werden nach Abschluss der Baumaßnahmen im südlichen Bereich der Karl-Marx-Straße nach verlegt.
Veranstalter: Kulturamt Neukölln
Unterstützt durch: Kulturnetzwerk Neukölln e.V., [Aktion! Karl-Marx-Straße], Netzwerk Berufliche Bildung, Schüler/innen des Leistungskurs Geschichte der Albert-Schweitzer-Schule, Verdi-Betriebsgruppe Neukölln, Bürgerstiftung Neukölln, Interkulturelles Beratungs- und Begegnungs Centrum e.V. (IBBC e.V.).
Musik: musica reanimata.
